Konventionelles Drehen & Fräsen

Leit- & ZugspindelUniversal-FrästechnikMetallbearbeitung

Lehrgang Konventionelles Drehen & Fräsen

Fachgerechte Zerspanung für Instandhaltung und Prototypenbau. Erwerben Sie fundierte Kenntnisse in der manuellen Fertigung an Industriemaschinen – praxisorientiert und sicherheitsbewusst.

Dauer: 5 Tage (08:00 – 15:00 Uhr) | Investition: auf Anfrage

Struktur des Lehrgangs: Zwei Fachmodule

Moderne Metallbearbeitung erfordert ein tiefes Verständnis für verschiedene Fertigungsverfahren. Unser Lehrgang ist daher in zwei aufeinander abgestimmte Module unterteilt, die sowohl einzeln als auch in Kombination absolviert werden können. Wir vermitteln sowohl fundierte Grundkenntnisse der Metallverarbeitung für Einsteiger als auch spezialisierte Techniken, um defekte Bauteile kurzfristig zu ersetzen oder Neukonstruktionen eigenständig umzusetzen.

ZielgruppeMeister-Anwärter, Wasser-/Abwassermeister, Anlagenmechaniker, Sicherheitsbeauftragte
LehrgangsmethodePraxisnahe Unterweisung & Fertigung nach Zeichnungsvorgabe
Dauer & Termine5 Tage (08:00 – 15:00 Uhr) | Termine auf Anfrage
WEILER-Leit- und Zugspindeldrehmaschinen in der BVE-Lehrwerkstatt Weimar
BVE-Lehrwerkstatt – konventionelle WEILER-Drehmaschinen (Leit- und Zugspindel) für praxisnahe Einzelfertigung und Instandsetzung

Zerspanungstechnologie: Theorie trifft Praxis

Ein guter Zerspaner arbeitet nicht nach Gefühl, sondern nach Fakten. Im Lehrgang behandeln wir die physikalischen Zusammenhänge, die über die Qualität der Oberfläche entscheiden:

Schnittwert-Optimierung

Berechnung von Drehzahl n und Vorschub f für Stahl, Aluminium und Messing zur Sicherstellung von Maßhaltigkeit, Formgenauigkeit und Oberflächengüte.

Werkzeuggeometrie

Verständnis der Keilwinkel sowie der Haupt- und Nebenschneiden. Optimierung des Eckenwinkels für verbesserte Wärmeabfuhr und Werkzeugstabilität bei HSS und WSP.

Kühl- & Schmierstoffe

Einsatz von KSS zur Reduzierung der Reibungswärme. Trockenbearbeitung vs. notwendige Kühlung.

Verschleißanalyse

Erkennen von Verschleißmustern (z.B. Freiflächen- oder Kolkverschleiß) für höchste Präzision.

MODUL1
Konventionelles Drehen

Schwerpunkt: Rotationssymmetrische Bauteile

  • Maschinenbedienung: Einweisung in Leit- und Zugspindel-Drehmaschinen verschiedener Hersteller für maximale Flexibilität im Betrieb.
  • Verfahren: Plan-/Längs- und Profildrehen, Zentrieren, Bohren, Senken, Gewindebohren & -schneiden sowie Ein- und Abstechen.
  • Innen- & Außenbearbeitung: Berücksichtigung werkstückspezifischer Platzverhältnisse bei der Werkzeugwahl.
  • Präzision: Arbeit nach Allgemeintoleranzen (DIN ISO 2768) und Einhaltung von Passmaßen (z.B. H7).
  • Prozesskompetenz: Eigenständige Auswahl der optimalen Bearbeitungstechnologie basierend auf technischer Zeichnungsvorgabe.
  • Werkzeugkunde: Bestimmung und Einsatz verschiedener Drehmeißel-Formen (Schruppen, Schlichten, Einstechen).
  • Spannmittel: Sicheres Ausrichten im Drei- oder Vierbackenfutter, Einsatz von Spannzangen, Planscheiben sowie Arbeiten mit der mitlaufenden Spitze.
  • Wartung: Pflege der Maschine und manuelles Schärfen von Drehmeißeln.

Instandhaltung ohne Lieferzeiten

In der Instandsetzung ist Zeit kritisch. Wenn ein Bolzen bricht, kostet Stillstand Geld. Eine konventionelle Maschine ist sofort einsatzbereit – ohne zeitaufwendige Programmierung komplexer CNC-Systeme für Einzelstücke.

Kreuzschlitten mit Oberschlitten und Handrädern einer konventionellen Drehmaschine
Kreuzschlitten mit Ober- und Querschlitten – zentrale Baugruppe für die Werkzeugpositionierung beim Drehen

MODUL2
Konventionelles Fräsen

Schwerpunkt: Prismatische Werkstücke

  • Universalfräsen: Aufbau, Funktion und Rüsten der Fräsmaschine.
  • Werkzeugwahl: Kriterien zur gezielten Auswahl von Walzenstirn-, Schaft- und Scheibenfräsern (Material, Geometrie, Zähnezahl) für optimale Oberflächengüte.
  • Strategien: Stirn- und Umfangfräsen; Herstellen von Absätzen, Nuten und Taschen.
  • Teilapparat: Nutzung für Mehrkanten und Lochkreise.
  • Gleich-/Gegenlauf: Fachgerechte Wahl unter Berücksichtigung des Spindelspiels.
Achtung: Gefahr des Einziehens

Bei konventionellen Maschinen mit Spindelspiel kann der Gleichlauf dazu führen, dass der Fräser das Werkstück ruckartig einzieht. Wir vermitteln Ihnen praxisnah, wann zwingend im Gegenlauf gearbeitet werden muss und unter welchen Voraussetzungen ein Gleichlauf für bessere Oberflächen sicher möglich ist.

Grundlage für CNC

Wer das Verhalten des Werkstoffs an der Handkurbel gespürt hat, versteht die Zerspanung digital besser. Unser Kurs schult das Gefühl für Vorschub, Schnittdruck und Spanbildung – essenziell für jede moderne Fertigung.

Arbeitssicherheit & DGUV

Unterweisung nach DGUV-Vorschriften und Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Sicherheit ist kein Modul, sondern das Fundament jeder Spanabnahme.

Gefahr durch Einzug

Striktes Verbot von Handschuhen und Schmuck. Enganliegende Kleidung ist an rotierenden Teilen lebenswichtig.

Spänemanagement

Sicherer Umgang mit dem Spanhaken. Vermeidung von tiefen Schnittverletzungen durch scharfe Fließspäne.

Maschinenschutz

Tägliche Funktionskontrolle der Not-Halt-Einrichtungen und korrekte Einstellung der Futterschutzhauben.

Termine & Konditionen

📅 Kursdauer: 5 Tage (08:00–15:00 Uhr) | Kleine Gruppen (min. 5 / max. 10 TN)

Praxis-Lehrgang im BVE Schulungszentrum

📅 Verfügbare Kurstage

Juni 2026
  • 08.–12.06.2026Verfügbar
Juli 2026
  • 06.–10.07.2026Noch 7 Plätze

📍 Ort & Investition

Bildungsverein der Ver- und Entsorgungsunternehmen Thüringen e. V.
Döbereinerstraße 28, 99427 Weimar
Tel: 03643 / 77 81 75
(Der Betrag ist nach § 4 Ziffer 21a des UStG von der Umsatzsteuer befreit.)
Dauer:5 Tage
Uhrzeit:08:00 – 15:00 Uhr
Zertifikat:Inklusive
Teilnehmergebühr:auf Anfrage

Häufige Fragen zum Zerspanungs-Lehrgang

Welches Vorwissen wird benötigt?

Unser Kurs ist als fundierte Einführung für Anfänger konzipiert, bietet aber durch die Arbeit an Industriemaschinen auch Profis wertvolle Praxiseinblicke. Da wir in kleinen Gruppen schulen, gehen wir individuell auf den Kenntnisstand jedes Teilnehmers ein – vom ersten Span bis zur komplexen Passung.

Warum ist konventionelles Drehen im CNC-Zeitalter noch wichtig?

Es ist das Fundament jeder Zerspanung. Wer Schnittkräfte, Vibrationen und Spanbildung an der Handkurbel „spürt“, schreibt später bessere und sicherere CNC-Programme. Zudem ist die konventionelle Maschine bei Einzelteilen und Reparaturen oft schneller und wirtschaftlicher als eine aufwendige CNC-Programmierung.

Kann ich nach dem Kurs eigenständig Bauteile fertigen?

Ja. Das Ziel ist die „Zeichnungssicherheit“. Sie lernen, eine technische Zeichnung zu lesen, die passenden Werkzeuge (z.B. Schaftfräser oder Drehmeißel) auszuwählen und das Bauteil toleranzgerecht (DIN ISO 2768) herzustellen.

Welche Schutzkleidung (PSA) ist erforderlich?

Zu Ihrer eigenen Sicherheit ist enganliegende Arbeitskleidung (Vermeidung von Einzug) und Sicherheitsschuhwerk (S3) Pflicht. Schutzbrillen stellen wir. Wichtig: Bei langen Haaren ist zwingend ein Haarnetz oder eine Kappe zu tragen.

Erhalte ich ein Zertifikat?

Ja. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein qualifiziertes Zertifikat des BVE, das Ihre erworbenen Kompetenzen im konventionellen Drehen und Fräsen sowie die UVV-Unterweisung dokumentiert.

Sind Inhouse-Schulungen möglich?

Wir bieten diesen Lehrgang auch direkt in Ihrem Betrieb an, sofern geeignete Maschinen zur Verfügung stehen. Das Training erfolgt dann direkt an Ihren eigenen Betriebsmitteln.