Quereinstieg: Umwelttechnologe Wasserversorgung

TrinkwV 2026 ReadyPraxis-Qualifikation

Umwelttechnologe für Wasserversorgung (Quereinstieg)

Sichern Sie das Lebensmittel Nr. 1. Unser Kurs für Quereinsteiger vermittelt Ihnen das fundierte Fachwissen für eine krisensichere Karriere in der Wasserwirtschaft.

3 Module | Dauer: 3 Wochen (Module einzeln buchbar) | Modulpreis: 1.300,00 €

Fachzertifikat der BVE | 100% Zukunftssicher

Neue Perspektiven:
Quereinstieg in die Wasserwirtschaft

Quereinsteiger sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Sie sind inzwischen in nahezu allen Branchen zu finden. Der öffentliche Dienst und besonders die Wasserwirtschaft bieten für Quereinsteiger sehr gute Chancen für den beruflichen Neustart. Hier profitieren beide Seiten: Arbeitgeber genauso wie Arbeitnehmer.

Vom Büro in die Wasserversorgung – Quereinsteiger beim BVE Weimar
Berufswechsel in die Wasserwirtschaft – der Quereinsteiger-Kurs richtet sich an Fachkräfte aus Handwerk, Technik und Industrie
ZielgruppeQuereinsteiger (Handwerk, Technik, Industrie)
LehrgangsmethodePraxisnahe Unterweisung & Theorie
Dauer3 Wochen (Module einzeln buchbar)

Wasser verstehen – Analog & Digital.

Bevor Wasser in das kilometerlange Rohrnetz gepumpt wird, muss seine Qualität lückenlos gesichert sein. Im ersten Modul tauchen wir tief in die Welt der Wasserchemie ein. Mit einem Blick in die digitale Zukunft der Branche: Wie LoRaWAN-Sensoren und SCADA-Systeme Rohrnetze intelligent überwachen – ein Thema, das im Kurs als Orientierung dient und in künftigen Modulen vertieft wird.

Modul1
Trinkwasseranalytik & Qualität

In diesem Modul lernen Sie die rechtlichen und chemischen Grundlagen der Wasserbeurteilung:

  • Mikrobiologische Parameter: Coliforme Keime, E. coli und Enterokokken – die Indikatorkeime, an denen Sie sofortigen Handlungsbedarf (Spülen, Desinfizieren) erkennen.
  • Chemische Parameter: Photometrische Bestimmung (Küvettentest) von P- und N-Verbindungen wie Ammonium, Nitrit und Nitrat.
  • Indikatorparameter: pH-Wert, Leitfähigkeit, Eisen und Mangan – Frühwarnsignale für Aufbereitungs- oder Netzprobleme.
  • Radioaktive Stoffe: Pflichtparameter der TrinkwV-Untersuchung, Befunde gehen in die Dokumentation ein.
  • Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren: Einsatz von Chlor, UV und Filterhilfsstoffen – inklusive sauberer Aufzeichnung jedes Verfahrens.

Diese Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten ergeben sich aus den Untersuchungs- und Aufzeichnungspflichten der TrinkwV.

Fokus 2026: Neue Grenzwerte

Wir bereiten Sie auf die Stichtage am 12.01.2026 vor: Das vollständige Verbot von Bleileitungen und der neue PFAS-Grenzwert (0,10 µg/l).

Experten-Wissen: Die Calcitsättigung nach DIN 38404-10

Ein zentraler Begriff der Analytik ist das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht. Ist Wasser gemäß DIN 38404-10 „kalkaggressiv“ (zugehöriger pH-Wert unterschritten), greift die überschüssige Kohlensäure die Kalk-Rost-Schutzschicht in den Leitungen an.

Die Folge: Lochfraß in metallischen Werkstoffen und die Zerstörung von zementgebundenen Werkstoffen im Rohrnetz. In Modul 1 lernen Sie, wie Sie das Gleichgewicht berechnen und durch gezielte Aufbereitung die Langlebigkeit der Infrastruktur sichern – ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Betrieb jedes Wasserwerks.

Praxis

Praxis: Probeentnahme

Stellen Sie sich vor: Ihre Probe zeigt eine gefährliche bakterielle Belastung an. Das Netz muss gespült werden, die Kosten explodieren. Später stellt sich heraus: Das Wasser war sauber. Der Fehler lag bei der Entnahme.

Genau hier trennt sich der Laie vom Profi. Eine Sekundärkontamination – etwa durch einen schmutzigen Perlator oder unzureichendes Abflammen – verfälscht das Ergebnis massiv. Deshalb trainieren wir mit Ihnen den „chirurgischen Eingriff“ der Wasserwirtschaft:

1. Die VorbereitungEntfernen von Anbauteilen und thermische Desinfektion der Armatur (Abflammen nach DVGW-Vorgabe), um Keime an der Zapfstelle sicher abzutöten.
2. Das FreispülenAblaufen lassen des Stagnationswassers bis zur Temperaturkonstanz (DIN EN ISO 5667).
3. Der Sensorik-CheckTrübung? Färbung? Geruch? Ihre Sinne sind das erste Warnsystem vor der teuren Laboranalyse.
Wasserprobeentnahme – praktische Ausbildung bei der BVE Weimar
Normgerechte Probeentnahme im Feld – praktische Unterweisung nach DIN EN ISO 5667

Vom Labor zur Haftungssicherheit.

Ein Rohrbruch durch unsachgemäße Verlegung oder eine falsch identifizierte Altleitung (Asbest) kann immense Kosten und rechtliche Folgen nach sich ziehen. In Modul 2 vermitteln wir das handwerkliche Rüstzeug für ein sicheres Netz.

Wissenswertes: Werkstoff-Evolution

Während früher spröder Grauguss Standard war, nutzt man heute duktiles Gusseisen (GGG) oder Kunststoffe wie PE-100. Ein kritisches Thema für Quereinsteiger ist der Umgang mit Asbestzementrohren (AZ) im Altbestand. Die Sensibilisierung nach TRGS 519 ist hier essenziell, um bei Reparaturen Gesundheitsrisiken und Haftungsfehler zu vermeiden.

Profi-Check: Tiefbau

Im Rohrleitungsbau ist die frostfreie Tiefe (i. d. R. 1,20 m bis 1,50 m) entscheidend. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Leitungen normgerecht einbetten, damit sie – wie unser Versprechen sagt – 100 Jahre halten.

Wasserwirtschaft 4.0

Ultraschallzähler mit LoRaWAN-Funkmodul, SCADA-gestützte Leckortung, zustandsbasiertes Asset-Management – das sind die Werkzeuge, mit denen Netzbetreiber heute Verluste auf unter 5 % drücken. Wir zeigen Ihnen, wohin die Branche steuert: als Orientierungsrahmen im Kurs, als Vertiefung in künftigen Modulen.

Modul2
Rohrleitungsbau & Verteilung

Lernen Sie den Aufbau und die Instandhaltung moderner Wasserverteilsysteme:

  • Arbeitssicherheit im Graben: Sensibilisierung für den Grabenverbau nach DIN 4124 (Sicherung ab 1,25 m) zur Vermeidung von Unfällen und Organisationsverschulden.
  • Netz-Hierarchie: Von der Fernleitung bis zur Hauseinführung nach DVGW-VP 601.
  • Materialkunde: Duktile Gussrohre (DIN EN 545), Kunststoffe und sichere Verbindungstechniken.
  • Hands-on Praxis: Herstellen von PE-Schweißverbindungen (Heizwendelschweißen) und fachgerechte Montage von Anbohrschellen unter Betriebsdruck.
  • Armaturenkunde: Funktion von Schiebern und Ventilen sowie normgerechte Beschilderung.
  • Sicherheit & Prüfung: Druckprüfung nach DVGW W 400-2 und Sensibilisierung für Altbestände (Asbest).
Stichtag 12.01.2026: Betriebsverbot

Ab diesem Datum gilt ein absolutes Verbot für Bleileitungen. Sie müssen zwingend ausgetauscht oder stillgelegt sein. Wir schulen den Blick für die Identifikation im Altbestand, damit Sie die gesetzliche Frist rechtssicher einhalten.

Das Herz der Versorgung antreiben.

Rohre allein transportieren kein Wasser. Es braucht Druck. Im dritten Modul beschäftigen wir uns mit den Maschinen, die das gesamte System am Laufen halten – den Pumpen und der Prozesstechnik.

Modul3
Pumpen- & Prozesstechnik

Meistern Sie die Technik hinter der Wasserförderung und der modernen Anlagensteuerung (SCADA) zur Überwachung kritischer Betriebszustände:

  • Pumpen-Vielfalt: Einsatz von Kreisel-, Exzenterschnecken- und Zahnradpumpen sowie Spezialtechnik (Schlauch-/Mammutpumpen) für Dosierung und Abwasser.
  • Dichtsysteme: Von der klassischen Stopfbuchspackung bis zur modernen Gleitringdichtung (GRD) – Montagefehler vermeiden.
  • Wartung & Instandhaltung: Praxisorientierte Checklisten für Wartungsintervalle, Sichtkontrolle, Überwachung von Gleitringdichtungen und Lagerkomponenten, Vibrationsanalyse und normgerechte Dokumentation.
  • Betriebssicherheit: Vermeidung von Totalausfällen durch Trockenlaufschutz und korrektes Anfahren von Kreiselpumpen.
  • Energie-Effizienz (η): Nicht nur fördern, sondern sparen: Wir trainieren das Lesen der Kennlinie, um Pumpen im Best Efficiency Point (BEP) zu betreiben und Stromkosten zu senken.
  • Vom Plan zur Anlage: Symbole nach DIN ISO 10628 verstehen und Komponenten im Werk anhand von R&I-Fließschemata sicher lokalisieren.

Profi-Check: Gefahr Kavitation

Falsch betriebene Pumpen können sich durch Kavitation selbst zerstören. Dabei implodieren Dampfblasen am Laufrad und verursachen massiven Materialabtrag. Anhand realer Kennwerte (Förderhöhe, Dampfdruck, Zulaufbedingungen) erarbeiten Teilnehmer den NPSH-Wert (Haltedruckhöhe) und verstehen, wie Kavitation entsteht und sicher vermieden wird. Ein tiefes Verständnis dieses physikalischen Prozesses spart Kommunen und Betrieben tausende Euro an Instandsetzungskosten.

Termine & Konditionen 2026

📅 Kursdauer: 3 Module à 1 Woche (einzeln buchbar) | Kleine Gruppen (min. 5 / max. 10 TN)

Wir sind bei der Koordinierung der Teilnehmeranzahl gerne behilflich.
Gruppengröße: mind. 5 / max. 10 Teilnehmer pro Kurs

📅 Verfügbare Kurstage

Die nächsten Kurstermine werden in Kürze bekanntgegeben.

📍 Investition & Ort

Bildungsverein der Ver- und Entsorgungsunternehmen Thüringen e. V.
Döbereinerstraße 28, 99427 Weimar
Tel: 03643 / 77 81 75
(Der Betrag ist nach § 4 Ziffer 21a des UStG von der Umsatzsteuer befreit.)
Modul 1 (Analytik):1.300,00 €
Modul 2 (Rohrbau):1.300,00 €
Modul 3 (Pumpen):1.300,00 €
Gesamt (3 Wochen):3.500,00 €

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen der „alten“ Fachkraft und dem neuen „Umwelttechnologen“?

Seit August 2024 ist Umwelttechnologe für Wasserversorgung die offizielle Berufsbezeichnung. Unser Kurs basiert auf dem modernisierten Rahmenlehrplan und deckt die neuen Anforderungen an Digitalisierung (Wasser 4.0) und verschärfte Grenzwerte (TrinkwV 2023/2026) ab.

Deckt der Kurs die Anforderungen zur Vermeidung von Organisationsverschulden ab?

Ja. Ein Schwerpunkt in Modul 2 ist die Vermittlung von normgerechtem Arbeiten nach DVGW W 400 und die Sensibilisierung für den Grabenverbau nach DIN 4124. Damit unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Unterweisungspflichten zu erfüllen und das Haftungsrisiko bei Tiefbauunfällen oder Installationsfehlern zu minimieren.

Ist das Zertifikat ein offizieller Sachkundenachweis für die Probenahme?

Unser Zertifikat bescheinigt die theoretische und praktische Unterweisung nach DIN EN ISO 5667. Es dient als Nachweis der Fachkunde, um im Auftrag eines Wasserversorgers Proben entnehmen zu dürfen, sofern die Einbindung in ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem erfolgt.

Benötige ich chemische, IT- oder Mechaniker-Vorkenntnisse?

Nein. Der Kurs ist für Quereinsteiger konzipiert. Wir führen Sie Schritt für Schritt an die Photometrie (Chemie), moderne Ultraschallzähler (IT) und Pumpentechnik (Mechanik) heran. Wichtiger als Formelwissen ist das Verständnis für sauberes Arbeiten und die Anwendung im Feld.

Darf ich nach dem Kurs Asbestzementrohre (AZ) bearbeiten?

Der Kurs sensibilisiert Sie für die Gefahren im Altbestand und vermittelt das notwendige Wissen nach TRGS 519, um AZ-Rohre sicher zu erkennen. Er dient als Grundlage, um im Ernstfall korrekt zu reagieren und die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Wie gehen wir mit dem Bleiverbot ab Januar 2026 um?

Das Thema ist integraler Bestandteil: Wir schulen Sie darin, Bleileitungen im Bestand sicher zu identifizieren und die notwendigen Schritte zur Stilllegung gemäß der neuen TrinkwV einzuleiten.

Wie körperlich anstrengend ist das Modul Rohrleitungsbau?

Rohrleitungsbau ist Handarbeit, aber moderne Technik hilft. Wir zeigen Ihnen den ergonomischen Umgang mit Bauteilen. Der Fokus liegt auf der Präzision bei der Verbindungstechnik (z. B. PE-Schweißen) und nicht auf reiner Muskelkraft.

Welche gesundheitlichen Voraussetzungen gibt es für den Job?

Für die spätere Tätigkeit im Wasserwerk sind oft die Vorsorgeuntersuchungen G26.3 (Atemschutz) und G41 (Absturzgefahr) relevant. Im Kurs besprechen wir die sicherheitstechnischen Anforderungen, damit Sie wissen, worauf es ankommt.

Warum ist das Wissen über Pumpenkennlinien so wichtig?

Eine falsch eingestellte Pumpe verursacht unnötige Energiekosten und Verschleiß. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Wirkungsgrad (η) im Blick behalten. So sichern Sie die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage – ein Wissen, das Sie für Arbeitgeber besonders wertvoll macht.

Lerne ich im Kurs auch die praktische Wartung?

Ja, die Wartung von Wellenabdichtungen ist ein Kernthema. Wir besprechen den Aufbau von Gleitringdichtungen (GRD) und klassischen Stopfbuchspackungen, um Montagefehler und Leckagen sicher zu vermeiden.